
Weihnachtsstern giftig für Katze und Hund? Fakten + 14 Gefahren
Kurz gesagt
Ja, der Weihnachtsstern ist für Katzen und Hunde giftig, aber meist nur leicht. Sein weißer Milchsaft reizt Maul, Magen und Haut. Typisch sind Speicheln, Erbrechen und selten Durchfall. Das Merck Veterinary Manual schreibt, die Pflanze verursache Speicheln und Erbrechen, „but not death“. Die ASPCA nennt ihre Giftigkeit „generally over-rated“, die Giftzentrale Bonn stuft sie als „gering giftig“ ein. Die Zürcher Tierarzt-Datenbank CliniTox führt sie dagegen als „stark giftig“ und dokumentiert zwei schwere Einzelfälle, einen älteren Hund und eine Katze. Für Sie heißt das: Ein angeknabbertes Blatt ist meist kein Drama, ein Anruf in der Tierarztpraxis ist trotzdem richtig, vor allem bei Katzen, Welpen, alten oder kranken Tieren und bei anhaltendem Erbrechen. Deutlich gefährlicher sind an Weihnachten die Christrose, Amaryllis-Zwiebeln, Lilien für Katzen, dunkle Schokolade, Xylit, Rosinen und Lametta.
Schnellantworten
- Wie giftig ist der Weihnachtsstern? Sechs Quellen im Vergleich
- Warum die Warnungen so weit auseinandergehen
- Symptome bei Katze und Hund
- Katze oder Hund hat geknabbert: die ersten Schritte
- Tabelle: 14 Weihnachtsgefahren für Katze und Hund
- Amaryllis, Christrose, Mistel, Stechpalme, Lilien
- Schokolade, Xylit, Rosinen: ab welcher Menge?
- Lametta, Geschenkband, Kerzen, Baumwasser
- Wann sofort zum Tierarzt?
- Giftnotruf für Tiere: Was die Giftzentralen sagen
Wie giftig ist der Weihnachtsstern? Sechs Fachquellen im Vergleich
Wer „Weihnachtsstern giftig Katze“ sucht, findet alles zwischen „harmlos“ und „hochgiftig“. Wir haben die Einträge der wichtigsten Fachquellen nebeneinandergelegt, mit dem genauen Wortlaut und dem Stand der Seite.
| Quelle | Einstufung | Typische Anzeichen laut Quelle | Wichtiger Zusatz |
|---|---|---|---|
| Merck Veterinary Manual (Prüfung November 2023, Stand September 2024) | reizt Schleimhäute, „but not death“ | starkes Speicheln, Erbrechen | Behandlung symptomatisch |
| ASPCA Animal Poison Control (USA) | „Toxic to Dogs, Toxic to Cats“, aber „generally over-rated in toxicity“ | Reizung von Maul und Magen, manchmal Erbrechen | Giftprinzip: reizender Milchsaft |
| Pet Poison Helpline (USA) | „only mildly toxic“ | leichtes Erbrechen, Speicheln, selten Durchfall; Haut- und Augenreizung | Behandlung selten nötig, außer bei starken Anzeichen |
| Giftzentrale Bonn (Informationszentrale gegen Vergiftungen NRW) | „gering giftig“ | Bauchschmerzen, Übelkeit, Brechreiz; Reizung von Haut und Schleimhäuten | „Bei Kleintieren sind vereinzelt schwerwiegende Verläufe beschrieben.“ Kritische Dosis nicht bekannt |
| CliniTox, Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Universität Zürich | „stark giftig ++“ | „Meist geringe Gastroenteritis mit Vomitus“, eventuell Unterkühlung, Zittern, Lungenödem | „Es gibt auch ungiftige Züchtungen!“ Sie sind von giftigen nicht zu unterscheiden |
| Bundestierärztekammer, Pressemitteilung vom 13.12.2012 | „stark giftig“ für Tiere und Menschen | Magen-Darm-Beschwerden, Krämpfe, blutiger Durchfall, Lähmungen, Leberschäden, Herzrhythmusstörungen | Pressemitteilung aus dem Jahr 2012, ohne Literaturangaben |
Vier von sechs Quellen beschreiben den Weihnachtsstern als reizend und im Verlauf meist harmlos. Die strengeren Einstufungen stammen aus der Zürcher Tierarzt-Datenbank und einer älteren Pressemitteilung der Bundestierärztekammer.
Warum die Warnungen so weit auseinandergehen
Drei Dinge erklären, warum ein Ratgeber „leicht giftig“ schreibt und der nächste „stark giftig“:
- Die Skala misst den schlimmsten Fall, nicht den typischen. „Stark giftig ++“ bedeutet bei CliniTox: Vergiftungssymptome nach Aufnahme kleiner Pflanzenmengen. Im selben Eintrag steht aber, der typische Verlauf sei „meist geringe Gastroenteritis mit Vomitus“. Die Einstufung warnt vor dem Möglichen, die Symptombeschreibung zeigt das Wahrscheinliche.
- Wildform und Zuchtform sind nicht dasselbe. Die Giftzentrale Bonn schreibt, die stark reizenden Diterpene im Milchsaft hätten sich „nur in der Wildform der Pflanze“ gefunden; in handelsüblichen Zuchtformen seien sie „nach neueren Angaben nicht nachgewiesen“ worden. CliniTox nennt als Hauptwirkstoffe Triterpene und betont, dass es ungiftige Züchtungen gibt, die man im Laden nicht von giftigen unterscheiden kann.
- Einzelfälle prägen die Warnungen. CliniTox dokumentiert zwei Fallberichte. Ein 20 kg schwerer Hund erbrach nach höchstens drei Blättern zwei Tage lang und fraß schlecht; außerdem ist „nur ein letaler Fall eines älteren Hundes bekannt“, der Erbrechen, Nierenversagen und Koma zeigte. Eine Katze, die 1997 der Schweizer Giftinformation gemeldet wurde, erbrach eine Stunde nach der Aufnahme mehrmals, hatte einen Puls von 200 pro Minute und 34,4 °C Körpertemperatur und starb etwa zehn Stunden später. Wenn Sie lesen, ein Weihnachtsstern könne eine Katze „innerhalb von zehn Stunden töten“: Ein solcher Verlauf ist als Einzelfall dokumentiert, nicht als typischer Verlauf.
Beruhigend aus derselben Datenbank: Ratten zeigten nach hohen Dosen keine Vergiftungserscheinungen, und die Pflanze wird „wegen des scharfen und unangenehmen Geruchs selten gefressen“. Beim Menschen hatten laut CliniTox 96 % der Exponierten keine oder geringe Symptome.
Weihnachtsstern-Vergiftung: Symptome bei Katze und Hund
Die Anzeichen sind bei Katze und Hund ähnlich und beginnen meist im Maul, weil der Milchsaft die Schleimhaut reizt. Links das Typische, rechts die Zeichen aus den schweren Einzelfällen.
| Typisch und meist mild | Selten, ein Alarmzeichen |
|---|---|
| Speicheln, Sabbern (Merck, Pet Poison Helpline) | Erbrechen, das nicht aufhört, oder Erbrechen über Tage (Fallbericht Hund, CliniTox) |
| Ein- oder mehrmaliges Erbrechen (Merck, ASPCA, CliniTox) | Zittern, Taumeln, Teilnahmslosigkeit (Fallbericht Katze, CliniTox) |
| Bauchschmerzen, Übelkeit (Giftzentrale Bonn) | Unterkühlung (CliniTox; im Fallbericht der Katze 34,4 °C) |
| Selten Durchfall (Pet Poison Helpline) | Atemnot, schnelles oder angestrengtes Atmen; CliniTox nennt Lungenödem |
| Reizung von Haut oder Augen nach Kontakt mit dem Milchsaft (Pet Poison Helpline, Giftzentrale Bonn) | Sehr schneller Puls, weite Pupillen, verzögerte Reflexe (Fallbericht Katze) |
Einer der beiden schweren Einzelfälle bei CliniTox betraf eine Katze. Deshalb raten wir bei Katzen grundsätzlich zum Anruf, auch wenn nur ein Blatt fehlt. Bei Hunden zählt die Menge im Verhältnis zur Größe. Mehr in unserer Übersicht giftige Zimmerpflanzen nach Gefahrenstufe.
Katze oder Hund hat am Weihnachtsstern geknabbert: die ersten Schritte
Die Liste folgt den telefonischen Anweisungen für Tierhalter aus CliniTox:
- Pflanze wegstellen. Abgebissene Blätter und Erbrochenes einsammeln, aber nicht wegwerfen: CliniTox rät, angefressenes oder erbrochenes Material in einer Plastiktüte mit in die Praxis zu bringen.
- Nichts eingeben, kein Erbrechen auslösen. CliniTox schreibt, der Tierbesitzer solle nicht versuchen, das Erbrechen auszulösen, und keine Milch, kein Eiweiß und keine pflanzlichen Öle geben, weil diese Mittel meistens kontraindiziert sind. Auch Kohletabletten aus der Hausapotheke gehören nicht ins Tier, solange keine Tierärztin das anordnet.
- Haut und Augen spülen. Ist Milchsaft an Fell, Haut oder Augen gelangt, kann der Halter laut CliniTox mit lauwarmem Leitungswasser waschen, mit Handschuhen.
- Notieren und fotografieren. Uhrzeit, ungefähre Menge, Gewicht des Tieres, erste Anzeichen. CliniTox empfiehlt, die Pflanze zu fotografieren; das hilft, wenn Sie nicht sicher sind, ob es ein Weihnachtsstern oder eine andere Pflanze war.
- Tierarztpraxis anrufen. Außerhalb der Sprechzeiten den tierärztlichen Notdienst. Was das an Feiertagen kostet, steht in unserem Ratgeber zu Notdienst-Kosten nachts und am Wochenende.
- Beobachten. Auch nach Entwarnung: Melden Sie sich wieder, wenn Erbrechen anhält oder neue Anzeichen dazukommen.
Tabelle: 14 Weihnachtsgefahren für Katze und Hund
Der Weihnachtsstern ist nur eine von vielen Gefahren im Advent. Die Einstufungen stammen aus verschiedenen Systemen; achten Sie deshalb auch auf die Spalte mit den Anzeichen.
| Gefahr | Wie gefährlich? | Typische Anzeichen | Besonders für | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| Weihnachtsstern | meist leicht; CliniTox: stark giftig ++ | Speicheln, Erbrechen, selten Durchfall | Katze, Hund | Merck, ASPCA, CliniTox, GIZ Bonn |
| Christrose (Helleborus niger) | sehr stark giftig +++ | starkes Erbrechen, blutiger Durchfall, Herzrhythmusstörungen, Krämpfe | Hund, Katze | CliniTox, GIZ Bonn |
| Amaryllis, Ritterstern | giftig bis stark giftig, vor allem die Zwiebel | Erbrechen, Durchfall, Kolik, langsamer Puls, Zittern, Krämpfe | Hund, Katze | CliniTox |
| Lilien im Blumenstrauß | für Katzen sehr gefährlich | Nierenversagen, wenn unbehandelt | Katze | Merck, ASPCA, Pet Poison Helpline |
| Stechpalme (Ilex) | giftig +; meist mild bis moderat | Speicheln, Erbrechen, Durchfall, Kopfschütteln; Verletzungen durch Stacheln | Hund, Katze | CliniTox, Merck |
| Mistel (Viscum album) | schwach giftig (+) | Magen-Darm-Beschwerden; beim Hund auch Zittern, Taumeln beschrieben | Hund, Katze | CliniTox, GIZ Bonn |
| Dunkle Schokolade, Kakao | giftig je nach Menge; ab 20 mg Theobromin/kg behandeln | Unruhe, Herzrasen, Zittern, Krampfanfälle | Hund | CliniTox, BTK |
| Gebäck und Süßes mit Xylit (E 967) | sehr gefährlich für Hunde; ab 50 mg/kg behandeln | Erbrechen nach 10 bis 60 Minuten, Unterzucker, Leberversagen | Hund | CliniTox |
| Rosinen (Stollen, Früchtebrot, Plätzchen) | stark giftig für Hunde; Schwelle sehr unterschiedlich | Erbrechen innerhalb von 24 Stunden, dann Nierenversagen | Hund | CliniTox, BTK |
| Gänse- oder Entenbraten, Knochen | fettig; gegarte Knochen splittern | Erbrechen, Durchfall; innere Verletzungen | Hund, Katze | BTK |
| Lametta, Geschenkband, Engelshaar | Darmverschluss möglich | Erbrechen, Fressunlust, Faden an Maul oder After | Katze | BTK, VCA, ASPCA |
| Kerzen | Verbrennung und Brand | Verbrennungen, versengtes Fell | Katze, Hund | VCA, BTK |
| Wasser im Christbaumständer | meist mild | Magen-Darm-Beschwerden durch Dünger, Baumöle, Bakterien | Hund, Katze | VCA, UC ANR |
| Teflonpfännchen (Raclette) | für Vögel tödlich möglich | Dämpfe beim Erhitzen | Ziervögel | BTK |
Weitere Weihnachtspflanzen: Amaryllis, Christrose, Mistel, Stechpalme, Lilien
Christrose: die giftigste Pflanze auf dieser Liste
CliniTox stuft die Christrose (Helleborus niger) als „sehr stark giftig“ ein, die Giftzentrale Bonn als „sehr giftig“. Giftig ist die ganze Pflanze. Sie enthält herzwirksame Steroidglykoside und reizende Stoffe. Für Hunde nennt CliniTox nach einer älteren Quelle (Wiesner, 1967) eine toxische Dosis von 0,3 bis 1 g Wurzel pro Tier; beschrieben sind starkes Erbrechen, blutiger Durchfall, Herzrhythmusstörungen, Zittern und Krämpfe. Christrosen in Gestecken und Töpfen gehören daher in Haushalten mit Tieren nicht auf den Boden oder den Couchtisch. Hat Ihr Tier daran gefressen, ist das ein Notfall.
Amaryllis und Ritterstern: Vorsicht bei der Zwiebel
CliniTox führt Amaryllis und Ritterstern (Hippeastrum) im selben Eintrag, Einstufung „giftig bis stark giftig“. Giftig ist die ganze Pflanze, „besonders die Zwiebel“. Die Alkaloide, darunter Lycorin, können Erbrechen, Durchfall, Kolik, Herzrhythmusstörungen, einen langsamen Puls, niedrigen Blutdruck, Taumeln, Zittern und Krämpfe auslösen. Eine tödliche Dosis ist nicht bekannt. Achten Sie besonders auf Hunde, die gern in Blumentöpfen graben.
Lilien: für Katzen gefährlicher als jeder Weihnachtsstern
Lilien sind keine klassische Weihnachtspflanze, stecken aber oft in Festtagssträußen. Das Merck Veterinary Manual schreibt, Katzen seien „highly sensitive“; echte Lilien (Lilium und Hemerocallis) schädigen die Nieren und führen unbehandelt zu akutem Nierenversagen. Die Pet Poison Helpline warnt, schon ein oder zwei Bissen könnten bei Katzen schweres Nierenversagen auslösen. Lilien und Katzen gehören nicht in dieselbe Wohnung. Mehr dazu in unserem Artikel über giftige Zimmerpflanzen für Katzen.
Mistel: schwach giftig, aber nicht harmlos
Die europäische Mistel (Viscum album) stuft CliniTox als „schwach giftig“ ein, die Giftzentrale Bonn als „gering giftig“. Ihre Lektine und Viscotoxine werden über den Darm kaum aufgenommen oder dort abgebaut. Typisch sind Magen-Darm-Beschwerden; für Hunde listet CliniTox aber auch Speicheln, Unterkühlung, Taumeln und Muskelzuckungen sowie Todesfälle. Strengere US-Warnungen beziehen sich teils auf die amerikanische Mistel (Phoradendron), eine andere Gattung. Hängen Sie Mistelzweige so auf, dass weder Blätter noch Beeren auf den Boden fallen.
Stechpalme: meist mild, aber stachelig
Bei der Stechpalme (Ilex aquifolium) sind laut CliniTox die roten Beeren und die Blätter giftig, Einstufung „giftig“. Bei Kleintieren verursachen Pflanzenteile „in der Regel nur milde bis moderate Magen-Darm-Symptome“: Speicheln, Erbrechen, Fressunlust, Durchfall, Kopfschütteln und Lippenschmatzen. Die stacheligen Blätter können die Maulschleimhaut verletzen, größere Mengen einen Darmverschluss verursachen. Das Merck Veterinary Manual nennt Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall ab zwei Beeren.
Schokolade, Xylit, Rosinen: ab welcher Menge es kritisch wird
Bei Lebensmitteln entscheidet die Menge im Verhältnis zum Körpergewicht.
Schokolade: die Rechnung
Die Gehalte schwanken stark. Wir rechnen deshalb mit dem höchsten Wert, den CliniTox je Sorte angibt. So sehen Sie, ab welcher Menge die 20-mg/kg-Schwelle im ungünstigsten Fall erreicht ist:
| Sorte (Theobromin laut CliniTox) | Hund 5 kg | Hund 10 kg | Hund 20 kg | Hund 30 kg |
|---|---|---|---|---|
| Weiße Schokolade (0,01 mg/g) | praktisch kein Theobromin; Fett kann Magen und Bauchspeicheldrüse belasten | |||
| Vollmilch 25–30 % (0,5–2,3 mg/g) | ab ca. 43 g | ab ca. 87 g | ab ca. 173 g | ab ca. 260 g |
| Zartbitter 55 % (5–8,8 mg/g) | ab ca. 11 g | ab ca. 22 g | ab ca. 45 g | ab ca. 68 g |
| Edelbitter 70 % (5,5–13,6 mg/g) | ab ca. 7 g | ab ca. 14 g | ab ca. 29 g | ab ca. 44 g |
| Bitter 90 % (6,5–15,2 mg/g) | ab ca. 6 g | ab ca. 13 g | ab ca. 26 g | ab ca. 39 g |
| Kakaopulver (14–29 mg/g) | ab ca. 3 g | ab ca. 6 g | ab ca. 13 g | ab ca. 20 g |
Rechenbeispiel: Ein 10 kg schwerer Hund frisst eine halbe 100-g-Tafel Edelbitter mit 70 %. Bei 13,6 mg/g sind das bis zu 680 mg Theobromin, also 68 mg/kg. Das liegt über der Schwelle für Krampfanfälle. Bei Vollmilch wären es bis zu 115 mg, also 11,5 mg/kg; laut CliniTox kann der hohe Fettgehalt aber eine Bauchspeicheldrüsenentzündung auslösen.
Xylit (E 967): kleine Mengen, große Wirkung
Xylit steckt laut CliniTox als Süßstoff in zuckerfreien Bonbons, Kaugummis und Backwaren. Für Hunde empfiehlt CliniTox eine Dekontamination und Blutzuckerkontrolle ab 50 mg Xylit pro kg. Ab 100 mg/kg kann es zu Unterzucker kommen, in Ausnahmefällen schon ab 30 mg/kg; ab 500 mg/kg kann akutes Leberversagen folgen. Anzeichen beginnen nach 10 bis 60 Minuten, meist mit Erbrechen. Lesen Sie die Zutatenliste und rufen Sie bei jedem Verdacht an. Mehr dazu in unserem Ratgeber Xylit beim Hund.
Rosinen: Stollen und Früchtebrot
Trauben und Rosinen stuft CliniTox für Hunde als „stark giftig“ ein. Die toxische Dosis liegt bei etwa 3 g Rosinen pro kg Körpergewicht, bei einem 10 kg schweren Hund also rund 30 g, mit „grossen interindividuellen Unterschieden“. Manche Hunde reagieren auf weniger. Erbrechen, Durchfall und Mattigkeit treten innerhalb von 24 Stunden auf, das akute Nierenversagen nach 24 bis 72 Stunden. Für Katzen schreibt CliniTox, sie schienen „nicht sehr anfällig“ für dieses Nierenversagen zu sein; die Bundestierärztekammer nennt Rosinen dagegen für Hunde und Katzen giftig. Bei Rosinen gilt: Menge schätzen und sofort anrufen, nicht auf Symptome warten.
Festtagsbraten und Knochen
Die Bundestierärztekammer warnt vor Resten vom Gänse- oder Entenbraten: Das Fleisch ist zu fett und zu stark gewürzt und kann bei Hunden und Katzen Durchfall und Erbrechen auslösen. Gegarte Geflügelknochen können splittern und innere Verletzungen verursachen. Wenn Ihre Katze nach dem Festessen erbricht, hilft unser 24-Stunden-Leitfaden zum Erbrechen bei Katzen bei der Einordnung.
Lametta, Geschenkband, Kerzen und Baumwasser

Für Katzen ist der Christbaum laut Bundestierärztekammer „häufig Gefahrenquelle Nummer eins“. Kugeln splittern, kleine Deko wird verschluckt, und Lametta lädt zum Spielen ein.
Kann beim Verschlucken einen Darmverschluss verursachen. Die Bundestierärztekammer rät Katzenhaltern, ganz darauf zu verzichten. Die ASPCA nennt starkes Erbrechen, Austrocknung und mögliche Operationen.
VCA warnt, dass Bänder und Fäden beim Kauen und Schlucken schaden können. Hängt ein Faden aus dem After: „do not pull!“ Ziehen kann den Darm verletzen; fahren Sie in die Praxis.
Nie unbeaufsichtigt brennen lassen; batteriebetriebene Kerzen sind laut VCA die sicherere Wahl. Offene Kerzen am Baum sollten für Tierhalter laut Bundestierärztekammer tabu sein.
Kann laut VCA Dünger, Baumöle und Bakterien enthalten, die den Magen reizen. Frischhaltemittel enthalten Dünger und Zucker und können leichtes Erbrechen und Durchfall auslösen (UC ANR). Ständer abdecken.
Ein stabiler Baumständer ist Pflicht, falls die Katze den Baum als Kletterbaum nutzt. Mehr zur kalten Jahreszeit im Ratgeber Katze im Winter.
Wann Sie sofort den Tierarzt anrufen sollten
- zittert, taumelt, krampft oder kaum ansprechbar ist;
- schwer oder schnell atmet oder kollabiert;
- immer wieder erbricht, Blut erbricht oder blutigen Durchfall hat;
- Christrose, eine Amaryllis-Zwiebel oder Lilien (Katze) gefressen haben könnte;
- Xylit-haltige Süßigkeiten, dunkle Schokolade, Kakaopulver oder Rosinen gefressen hat, auch ohne Anzeichen;
- einen Faden, ein Band oder Lametta im Maul oder am After hat.
Anrufen und Rat holen sollten Sie, wenn Ihr Tier am Weihnachtsstern, an Mistel oder Stechpalme geknabbert hat und nur leicht speichelt oder einmal erbricht. Halten Sie bereit: Gewicht, was und wie viel, seit wann, Foto oder Verpackung. CliniTox empfiehlt, die verdächtige Giftquelle mit Verpackung in die Praxis mitzubringen.
Giftnotruf für Tiere in Deutschland: Was die Giftzentralen selbst sagen
Viele Ratgeber empfehlen pauschal „den Giftnotruf“. Die deutschen Giftinformationszentren arbeiten aber vorrangig für Vergiftungen bei Menschen. Wir haben ihre Seiten am 30. Oktober 2026 geprüft; die Nummern stammen aus der Liste des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).
| Giftzentrale | Notruf (laut BfR) | Was die Zentrale zu Tieren schreibt |
|---|---|---|
| GIZ-Nord, Göttingen (Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein) | 0551 19240 | Berät Tierfälle: 2025 waren es 1.256 Vergiftungs- und Verdachtsfälle bei Tieren, davon 961 Hunde (Jahresbericht 2025) |
| Informationszentrale gegen Vergiftungen, Bonn (NRW) | 0228 19240 | „Vergiftungen bei Tieren können wir leider nur nachrangig beraten, da Vergiftungen beim Menschen immer Vorrang haben.“ |
| Giftinformationszentrum Mainz (Rheinland-Pfalz, Hessen, Saarland) | 06131 19240 | Bei einer Vergiftung bei einem Tier „wenden Sie sich bitte direkt an einen Tierarzt oder eine Tierklinik“ |
| Giftnotruf der Charité, Berlin | 030 19240 | Auf der Startseite keine Angabe zu Tieren; Anrufer aus anderen Bundesländern sollen ihren regional zuständigen Giftnotruf kontaktieren |
| Giftnotruf Erfurt (Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen) | 0361 730730 | Auf der verlinkten Klinikseite keine Angabe zu Tieren gefunden |
| Vergiftungs-Informations-Zentrale Freiburg | 0761 19240 | Keine Angabe zu Tieren auf der Seite gefunden |
| Giftnotruf München | 089 19240 | Bei Tierfällen bitte vorab nachfragen |
Das Fazit: Eine bundesweite, öffentliche Giftnotrufnummer speziell für Tiere haben wir nicht gefunden. Die Giftzentralen für Menschen beraten Tierfälle sehr unterschiedlich, und mindestens zwei verweisen ausdrücklich auf Nachrang oder an die Tierarztpraxis. Ihre erste Nummer ist deshalb die Ihrer Tierarztpraxis oder des tierärztlichen Notdienstes. Speichern Sie beide vor den Feiertagen im Handy. Hat ein Mensch, zum Beispiel ein Kind, ebenfalls von einer Pflanze gegessen, ist der Giftnotruf genau die richtige Stelle.
Weihnachten mit Katze und Hund sicher planen: Checkliste

- Pflanzen: Weihnachtsstern, Amaryllis und Christrose auf hohe Regale oder in Räume ohne Tiere stellen; heruntergefallene Blätter sofort aufsammeln. In Katzenhaushalten keine Lilien in Sträußen.
- Christbaum: stabiler Ständer, Wasser abdecken, kein Lametta und Engelshaar bei Katzen, Glaskugeln nach oben.
- Kerzen: nie unbeaufsichtigt; LED-Kerzen bevorzugen.
- Süßes: Adventskalender, Plätzchendosen und Stollen nicht auf Couchtisch oder Nachttisch; Geschenke mit Schokolade nicht unter den Baum legen.
- Gäste: bitten, nichts vom Tisch zu füttern und Taschen mit Süßigkeiten oder Kaugummi zu schließen.
- Festessen: keine Bratenreste, keine gegarten Knochen; Mülleimer verschließen.
- Vögel: Raclette mit Teflonpfännchen nur dort, wo kein Vogelkäfig im Raum steht.
- Nummern: Tierarztpraxis und tierärztlichen Notdienst im Handy speichern; Feiertags-Notdienst vorher nachschlagen.
Direkt nach Weihnachten folgt für viele Hunde die nächste Belastung: Feuerwerk. Wie Sie Ihren Hund ab jetzt darauf vorbereiten, steht in unserem Zeitplan Hund hat Angst an Silvester.
Häufige Fragen zu Weihnachtsstern und Weihnachtsgefahren
Ist der Weihnachtsstern giftig für Katzen?
Ja, aber meist nur leicht. Der Milchsaft reizt Maul und Magen; typisch sind Speicheln und Erbrechen. ASPCA, Merck Veterinary Manual und die Giftzentrale Bonn halten schwere Vergiftungen für selten. Die Zürcher Datenbank CliniTox dokumentiert einen tödlichen Einzelfall bei einer Katze aus dem Jahr 1997. Rufen Sie deshalb bei jeder Katze, die daran geknabbert hat, die Tierarztpraxis an.
Ist der Weihnachtsstern giftig für Hunde?
Für Hunde gilt dasselbe: Reizung von Maul und Magen, meist mildes Erbrechen. CliniTox beschreibt einen 20 kg schweren Hund, der nach höchstens drei Blättern zwei Tage erbrach und schlecht fraß, und nur einen bekannten tödlichen Fall bei einem älteren Hund.
Wie viel Weihnachtsstern ist für Katzen und Hunde gefährlich?
Eine kritische Dosis ist nicht bekannt (Giftzentrale Bonn). Ratten zeigten nach hohen Dosen keine Vergiftungszeichen (CliniTox). Weil es giftigere und harmlose Zuchtformen gibt, die man nicht unterscheiden kann, lässt sich keine sichere Menge nennen.
Ist der Milchsaft des Weihnachtssterns gefährlich bei Hautkontakt?
Er kann Haut, Schleimhäute und Augen reizen. CliniTox nennt als erste Maßnahme durch den Tierhalter, Fell, Haut, Schleimhäute und Augen mit lauwarmem Leitungswasser zu waschen und dabei Handschuhe zu tragen. Bei geröteten oder tränenden Augen sollte eine Tierärztin nachsehen.
Gibt es ungiftige Weihnachtssterne?
Laut CliniTox gibt es ungiftige Züchtungen, sie lassen sich aber nicht von den giftigen unterscheiden. Die Giftzentrale Bonn schreibt, die hautreizenden Diterpene seien in handelsüblichen Zuchtformen nach neueren Angaben nicht nachgewiesen worden. Behandeln Sie jede Pflanze wie eine giftige.
Meine Katze hat am Weihnachtsstern geknabbert. Was soll ich tun?
Pflanze wegstellen, nichts eingeben und kein Erbrechen auslösen, notieren wann und wie viel, die Pflanze fotografieren und die Tierarztpraxis anrufen. Bei anhaltendem Erbrechen, Zittern, Taumeln, Apathie oder Atemnot sofort in die Praxis oder Tierklinik.
Welche Weihnachtspflanze ist am giftigsten für Tiere?
Unter den typischen Weihnachtspflanzen stuft CliniTox die Christrose als sehr stark giftig ein; sie enthält herzwirksame Glykoside. Für Katzen sind echte Lilien in Blumensträußen besonders gefährlich, weil sie Nierenversagen auslösen können. Amaryllis und Ritterstern gelten als giftig bis stark giftig, vor allem die Zwiebel.
Ist Mistel giftig für Hunde und Katzen?
Die europäische Mistel stuft CliniTox als schwach giftig ein, die Giftzentrale Bonn als gering giftig. Typisch sind Magen-Darm-Beschwerden. US-Quellen warnen stärker, beziehen sich aber teils auf die amerikanische Mistel, eine andere Gattung. Hängen Sie Mistelzweige trotzdem außer Reichweite auf.
Wie viel Schokolade ist für einen Hund gefährlich?
CliniTox empfiehlt beim Hund eine Behandlung ab 20 mg Theobromin pro kg Körpergewicht. Bei einem 10 kg schweren Hund kann diese Schwelle schon mit etwa 14 g Edelbitterschokolade (70 %) oder etwa 87 g Vollmilchschokolade erreicht sein, wenn man die höchsten gemessenen Gehalte ansetzt. Rufen Sie bei dunkler Schokolade immer an.
Gibt es einen Giftnotruf für Tiere in Deutschland?
Eine bundesweite Giftnotrufnummer speziell für Tiere haben wir nicht gefunden. Die Giftzentralen für Menschen beraten unterschiedlich: Das GIZ-Nord in Göttingen beriet 2025 1.256 Tierfälle, Bonn berät Tierfälle nur nachrangig, Mainz verweist direkt an Tierarzt oder Tierklinik. Erste Anlaufstelle ist Ihre Tierarztpraxis oder der tierärztliche Notdienst.
Darf ich mein Tier zum Erbrechen bringen, wenn es etwas Giftiges gefressen hat?
Nein. CliniTox schreibt ausdrücklich, der Tierbesitzer solle nicht versuchen, das Erbrechen auszulösen, und auch keine Milch, kein Eiweiß und keine pflanzlichen Öle geben. Ob eine Dekontamination sinnvoll ist, entscheidet die Tierärztin.
Ist Lametta gefährlich für Katzen?
Ja. Die Bundestierärztekammer nennt Lametta besonders gefährlich, weil verschluckte Fäden zu einem Darmverschluss führen können, und rät Katzenhaltern, darauf zu verzichten. Hängt ein Faden aus Maul oder After, nicht daran ziehen, sondern sofort in die Tierarztpraxis.
Quellen, abgerufen am 30. Oktober 2026
- ASPCA Animal Poison Control: Pflanzeneintrag „Poinsettia“ (Euphorbia pulcherrima) und „Holiday Safety Tips“.
- Merck Veterinary Manual: „Houseplants and Ornamentals Toxic to Animals“ (R. D. Schmid, Pet Poison Helpline; vollständige Prüfung November 2023, Änderung September 2024).
- Pet Poison Helpline: „Are Poinsettias Poisonous to Cats & Dogs?“.
- CliniTox / Giftpflanzen-Datenbank, Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Universität Zürich: Einträge Euphorbia pulcherrima, Amaryllis/Hippeastrum, Helleborus, Ilex aquifolium, Viscum album, Vitis vinifera; Erläuterungen zum Toxizitätsgrad; Giftsubstanzen Kleintier: Methylxanthine, Xylitol; Vergiftungen Kleintiere (telefonische Anweisungen an den Tierbesitzer).
- Informationszentrale gegen Vergiftungen (Giftzentrale Bonn): Pflanzenseiten Weihnachtsstern, Christrose, Mistel, Stechpalme; Startseite (Hinweis zu Tiervergiftungen).
- Bundestierärztekammer: Presseinformation Nr. 44/2012 „O du – gefährliche Advents- und Weihnachtszeit!“ (13. Dezember 2012).
- VCA Animal Hospitals: „Holiday Safety Tips for Cat Owners“ (A. Dagner, K. Williams, E. Ward; aktualisiert 21. Dezember 2023).
- University of California Agriculture and Natural Resources, Master Gardeners Fresno County: „Holiday Plants Toxic to Pets“ (Helpline Hot Topic, November 2020).
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Giftinformationszentren in Deutschland (Liste mit Notrufnummern).
- Giftinformationszentrum-Nord (GIZ-Nord): Jahresbericht 2025, Kapitel 5.2 Tiervergiftungen (Version vom 12. August 2026).
- Giftinformationszentrum Mainz, Giftnotruf der Charité Berlin, Vergiftungs-Informations-Zentrale Freiburg: Startseiten.
- Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Wenn Ihr Tier etwas Giftiges gefressen haben könnte, rufen Sie Ihre Tierarztpraxis oder den tierärztlichen Notdienst an.



