
Fuchsbandwurm-Verbreitungskarte Deutschland 2026: Fälle je Land
Kurz gesagt
Eine amtliche Fuchsbandwurm-Karte mit Risikozonen veröffentlichen RKI und FLI nach unserer Recherche nicht; am verlässlichsten sind die Meldezahlen des Robert Koch-Instituts. 2024 wurden 52 Erkrankungen an alveolärer Echinokokkose gemeldet, aus 11 Bundesländern: Bayern 20, Baden-Württemberg 17, Hessen 4, Nordrhein-Westfalen 3, Thüringen 2 und je 1 Fall aus Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Sachsen. Bei Füchsen ist der Parasit laut ESCCAP in ganz Deutschland verbreitet. Die höchsten gemessenen Befallsraten stammen aus dem Süden: 41 bis 51 % der Füchse um Leutkirch und Isny im Allgäu und um Ehingen an der Donau (2018–2020). Für Hunde heißt das: Wer Mäuse jagt oder frisst, sollte laut ESCCAP monatlich gegen den Fuchsbandwurm entwurmt werden.
Schnellantworten
- Die Fuchsbandwurm-Karte als Tabelle: alle 16 Bundesländer
- Was die Zahlen messen: Menschen, Füchse, Tiermeldungen
- Risikogebiete: Schwäbische Alb, Allgäu, Alpenvorland
- Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen und der Norden
- So funktioniert der Kreislauf: Fuchs, Maus, Mensch
- Wie sich Hunde anstecken
- Entwurmung: wie oft bei Hunden, die Mäuse fressen
- Fuchsbandwurm-Symptome beim Menschen
- Waldbeeren und Pilze: Mythos und RKI-Empfehlung
- Wie lange überleben die Eier? Hitze, Kälte, Essig
- Bluttest, Meldepflicht und Fallzahlen seit 2018
Fuchsbandwurm-Verbreitungskarte Deutschland: die Tabelle nach Bundesland
Die Tabelle ersetzt die Karte, nach der viele suchen. Sie stellt drei Datenquellen nebeneinander, die Unterschiedliches messen. Lesen Sie die Spalten deshalb einzeln und nicht als eine einzige „Gefahrenstufe“.
| Bundesland | Menschen: AE-Fälle 2023 (RKI) | Menschen: AE-Fälle 2024 (RKI) | Tiermeldungen 2004–2019 (FLI, TSN) | Gemessener Befall bei Füchsen (Jahr, Quelle) |
|---|---|---|---|---|
| Baden-Württemberg | 12 | 17 | 137 | Landesschnitt ca. 40 % (2002–2006, 8.970 Füchse, Landtag BW); 41–51 % um Leutkirch, Isny, Ehingen (2018–2020) |
| Bayern | 11 | 20 | 142 | Landkreis Starnberg 51 % (Winter 2002/03); BW und Bayern zusammen 37,0–55,5 % (Studien 1999–2010) |
| Berlin | 1 | 1 | 1 | in der Innenstadt bisher kein Nachweis, am Stadtrand und im Umland schon (FLI 2020) |
| Brandenburg | 0 | 1 | 1.665 | Nordwesten 1992–1995: zwei Herde mit 23,8 %, Umgebung 4,9 % |
| Bremen | 0 | 0 | 1 | keine Studienwerte in den ausgewerteten Quellen |
| Hamburg | 0 | 0 | 7 | keine Studienwerte in den ausgewerteten Quellen |
| Hessen | 2 | 4 | 73 | Nachweise bei Füchsen seit spätestens den 1980er-Jahren |
| Mecklenburg-Vorpommern | 0 | 1 | 362 | keine Prozentwerte in den ausgewerteten Quellen |
| Niedersachsen | 1 | 1 | 22 | Mittelwert von 12 auf 20 % gestiegen (1991–2005, 8.459 Füchse), stabiler Herd im Süden |
| Nordrhein-Westfalen | 5 | 3 | 36 | Nachweise seit spätestens den 1980er-Jahren |
| Rheinland-Pfalz | 1 | 1 | 19 | Nachweise in der Eifel schon 1982/83 |
| Saarland | 0 | 0 | 2 | keine Prozentwerte in den ausgewerteten Quellen |
| Sachsen | 1 | 1 | 14 | bis 1995 kein Nachweis, heute offenbar im ganzen Land |
| Sachsen-Anhalt | 0 | 0 | 644 | 13,6 % (1998–2005), 23,4 % (2006–2010) |
| Schleswig-Holstein | 1 | 0 | 5 | keine Prozentwerte in den ausgewerteten Quellen |
| Thüringen | 1 | 2 | 2.472 | 12 % (1990) auf 42 % (2005), 26.220 Füchse; seither stabil hoch |
| Deutschland | 36 | 52 | 5.602 | endemisch in ganz Deutschland (ESCCAP) |
Die Erkrankungen beim Menschen konzentrieren sich auf den Süden: 2024 kamen 37 der 52 Fälle (71 %) aus Bayern und Baden-Württemberg, 2023 waren es 23 von 36 (64 %). Bei Füchsen wurde der Parasit laut FLI 2004 bis 2019 dagegen in allen Bundesländern gefunden.
Was die Zahlen messen: Menschenfälle, Fuchs-Befallsrate, Tiermeldungen
Erkrankungen beim Menschen (RKI)
Gemeldete Neudiagnosen, zugeordnet nach der Postleitzahl des Wohnorts, laut RKI also „nicht in jedem Fall“ der Ort der Ansteckung. Weil zwischen Ansteckung und Diagnose Jahre liegen, zeigen sie nicht das aktuelle Ansteckungsgeschehen.
Befallsrate bei Füchsen (Studien)
Anteil untersuchter Füchse, in deren Darm der Bandwurm gefunden wurde. Das ist das beste Maß für den Infektionsdruck in einer Region, aber nur für den Ort und das Jahr der Untersuchung gültig.
Tiermeldungen (FLI, Tierseuchennachrichten): Die 5.602 Meldungen bis Ende 2019 betreffen ganz überwiegend Füchse. Das FLI warnt ausdrücklich, dass diese Zahlen nicht repräsentativ sind: Sie hängen davon ab, wie intensiv ein Land untersucht und meldet. Die hohen Zahlen aus Thüringen (2.472) und Brandenburg (1.665) spiegeln also auch, wie intensiv dort untersucht und gemeldet wurde; daraus folgt nicht, dass dort mehr Füchse befallen sind als in Baden-Württemberg (137). Viele Länder haben die Untersuchungen zudem eingeschränkt.
Fuchsbandwurm-Risikogebiete 2026: Schwäbische Alb, Allgäu, Alpenvorland
Laut RKI-Ratgeber gilt in Europa vor allem das Gebiet aus Süddeutschland (Baden-Württemberg, Bayern), Nordschweiz, Westösterreich und Ostfrankreich als hochendemisch. Das Epidemiologische Bulletin 41/2019 sieht eine deutliche Häufung der Erkrankungen „im Bereich der schwäbischen Alb, der Alpen und dem Alpenvorland“. Diese Regionen haben konkrete Messwerte:
| Region | Messwert | Was gemessen wurde | Quelle |
|---|---|---|---|
| Isny im Allgäu und Umgebung (Lkr. Ravensburg) | 50,8 % (30 von 59) | Füchse mit Fuchsbandwurm, 2018–2020 | Parasites & Vectors 2023 |
| Leutkirch im Allgäu und Umgebung (Lkr. Ravensburg) | 41,5 % (44 von 106) | Füchse, 2018–2020 | Parasites & Vectors 2023 |
| Ehingen (Donau) und Umgebung (Alb-Donau-Kreis) | 41,3 % (31 von 75) | Füchse, 2018–2020 | Parasites & Vectors 2023 |
| Landkreis Ravensburg | 13,7 je 100.000 | Erkrankungen beim Menschen, 1992–2018 | Parasites & Vectors 2023 |
| Alb-Donau-Kreis | 19,9 je 100.000 | Erkrankungen beim Menschen, 1992–2018 | Parasites & Vectors 2023 |
| Römerstein und Westerheim (Biosphärengebiet Schwäbische Alb) | 40–50 % | Füchse, 2007–2011 | Landtag BW, Drs. 15/1852 |
| Schwäbische Alb (Ulm, Göppingen, Reutlingen), Neckar-Odenwald-Kreis | „Hochendemiegebiete“, gebietsweise über 50 % | Füchse, 1973–1998 | Landtag BW, Drs. 15/1852 |
| Landkreis Starnberg (Oberbayern) | 51 % | Füchse im Projektgebiet, Winter 2002/03 | PLoS ONE 2019 |
Die Allgäu-Werte stammen aus dem württembergischen Allgäu; für das bayerische Allgäu im Alpenvorland enthalten die Quellen keine eigenen Fuchszahlen.
Bemerkenswert: Um Leutkirch waren 1992–2018 neun Erkrankungen beim Menschen registriert (29,8 je 100.000 Einwohner), um Isny keine, obwohl die Füchse dort ähnlich stark befallen waren. Sieben der neun Erkrankten hielten Hunde.
Für den Süden lohnen sich auch unsere Karten zu FSME-Zecken-Risikogebieten und zu Kreuzotter-Vorkommen.
Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen und der Norden: was bekannt ist
Bis Ende der 1980er-Jahre galten laut FLI nur Baden-Württemberg und der bayerische Regierungsbezirk Schwaben als Endemiegebiet. Ob sich der Parasit seither ausgebreitet hat oder nur intensiver gesucht wurde, ist schwer zu trennen; Langzeitstudien aus Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen sprechen laut FLI für eine echte Ausbreitung.
- Rheinland-Pfalz: Befallene Füchse wurden schon 1982 und 1983 nachgewiesen, besonders in der Eifel. Menschenfälle: je 1 in 2023 und 2024. Das RKI-Bulletin von 2019 nannte Rheinland-Pfalz und Hessen als Länder mit steigenden Fallzahlen.
- Hessen: Nachweise bei Füchsen seit spätestens den 1980er-Jahren; 73 Tiermeldungen 2004–2019; 2 Menschenfälle 2023, 4 im Jahr 2024.
- Saarland: 2 Tiermeldungen 2004–2019, in den RKI-Jahrbüchern 2023 und 2024 kein Erkrankungsfall beim Menschen. Prozentwerte für Füchse enthalten die ausgewerteten Quellen nicht.
- Sachsen: Bis 1995 kein Nachweis bei Füchsen, inzwischen laut FLI offenbar im ganzen Land vorhanden; je 1 Menschenfall 2023 und 2024.
- Thüringen: In einer Untersuchung von 26.220 Füchsen stieg der Befall von 12 % (1990) auf 42 % (2005), und der Parasit breitete sich über das ganze Land aus; seitdem ist die Lage laut FLI stabil hoch.
- Sachsen-Anhalt: Befall von 13,6 % (1998–2005) auf 23,4 % (2006–2010) gestiegen.
- Niedersachsen: 8.459 Füchse aus 43 Regionen, Mittelwert von 12 auf 20 % (1991–2005), stabiler Herd im Süden des Landes.
- Brandenburg und Berlin: Im Nordwesten Brandenburgs fanden Untersuchungen 1992–1995 zwei Herde mit 23,8 % neben 4,9 % in der Umgebung. In der Berliner Innenstadt gab es bisher keinen Nachweis, am Stadtrand schon.
- Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen: Nachweise bei Füchsen vorhanden (siehe Tabelle), aber keine aktuellen Prozentwerte in den ausgewerteten Quellen. In Ostdeutschland ist laut RKI zusätzlich der Marderhund empfänglich; seine Rolle ist noch offen.
Landesdurchschnitte können also täuschen; für Hundehalter zählt die ESCCAP-Einordnung: endemisch in ganz Deutschland. Weitere regionale Gefahren zeigt unsere Wolfsgebiete-Karte.
So funktioniert der Kreislauf: Fuchs, Maus, Mensch

Der Kleine Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) ist laut RKI nur 2 bis 4 Millimeter lang und besteht typischerweise aus 5 Gliedern; sein sackförmiger Uterus enthält etwa 200 Eier. Er lebt im Dünndarm des Endwirts, vor allem des Rotfuchses, seltener von Hund, Marderhund oder Katze. Die Eier lassen sich laut FLI auch unter dem Mikroskop nicht von anderen Bandwurmeiern (Taeniiden) unterscheiden; Klarheit bringt erst ein Gentest (PCR).
- Fuchs scheidet Eier aus: Mit dem Kot gelangen Bandwurmglieder und Eier in die Umwelt, die sofort ansteckend sind.
- Maus frisst Eier: In der Leber von Feld- und Wühlmäusen wächst das Larvenstadium.
- Fuchs oder Hund frisst die Maus: Aus den Larven werden im Darm neue Bandwürmer. Laut ESCCAP dauert es beim Hund knapp 4 Wochen, bis Eier ausgeschieden werden.
- Mensch als Fehlwirt: Nimmt ein Mensch Eier über verschmutzte Hände auf, wächst das Larvenstadium tumorartig in der Leber. Für den Wurm ist das eine Sackgasse; Menschen stecken laut RKI niemanden an.
Durch Kontakt mit befallenen Mäusen kann sich ein Mensch laut RKI nicht anstecken; ansteckend sind nur die Eier aus dem Kot der Endwirte.
Fuchsbandwurm oder Hundebandwurm?
| Merkmal | Kleiner Fuchsbandwurm (E. multilocularis) | Hundebandwurm (E. granulosus) |
|---|---|---|
| Krankheit beim Menschen | alveoläre Echinokokkose: infiltratives, tumorartiges Wachstum | zystische Echinokokkose: abgekapselte Zysten |
| Länge des Wurms | 2–4 mm | 4–7 mm |
| Hauptendwirt | Rotfuchs | Hund |
| Zwischenwirte | Nagetiere (Feld-, Wühlmäuse) | Wiederkäuer, v. a. Schafe, Rinder |
| Lage in Deutschland | endemisch | laut RKI kaum noch Ansteckungen im Inland, meist importiert |
| Gemeldete Fälle 2024 (RKI) | 52 | 88 |
Der Hundebandwurm ist in Europa laut RKI vor allem im Mittelmeerraum und auf dem Balkan verbreitet; Hunde, die aus südlichen Ländern nach Deutschland kommen, sollten laut RKI unbedingt entwurmt werden. Mehr dazu im Ratgeber Tierschutzhunde aus Rumänien und Spanien.
Wie sich Hunde mit dem Fuchsbandwurm anstecken
Ein Hund kann auf zwei Wegen mit dem Fuchsbandwurm in Berührung kommen, und die beiden haben ganz unterschiedliche Folgen:
Weg 1: Hund frisst eine befallene Maus
Im Darm wachsen Bandwürmer heran, der Hund wird zum Endwirt und scheidet nach knapp 4 Wochen ansteckende Eier aus. Laut FLI zeigen Endwirte selbst bei starkem Befall kaum Krankheitszeichen; man sieht dem Hund nichts an.
Weg 2: Hund schluckt Eier
Der Hund wird wie der Mensch zum Fehlwirt; vor allem in der Leber wächst das Larvenstadium (alveoläre Echinokokkose beim Hund). Laut ESCCAP selten, aber möglicherweise unterschätzt; der Verdacht entsteht meist in der Bildgebung.
Unter den 5.526 positiven Endwirten, die 2004 bis 2019 an die Tierseuchendatenbank gemeldet wurden, waren 70 Hunde (1,3 %), 92 Marderhunde und 2 Katzen; die Zahlen spiegeln vor allem, wer untersucht wurde.

Welche Hunde ein höheres Risiko haben
ESCCAP Deutschland nennt Hunde, die jagen, anderweitig Zugang zu wilden Nagetieren haben, Aas fressen (etwa tote Mäuse) oder regelmäßig unbeaufsichtigt frei laufen. In der deutschen Fall-Kontroll-Studie von Kern und Kollegen (2004) hatten Erkrankte viel häufiger als gesunde Vergleichspersonen
- Hunde, die Wild erbeuteten (Odds Ratio 18,0),
- Hunde, die unbeaufsichtigt draußen streunten (Odds Ratio 6,1),
- freilaufende Katzen (Odds Ratio 2,3).
Die Studie zeigt einen Zusammenhang, keinen Beweis für den Übertragungsweg. Laut RKI können Eier am Fell der Endwirte haften und über die Hände aufgenommen werden. Katzen spielen laut RKI eine untergeordnete Rolle, weil sich der Wurm in ihrem Darm nur langsam entwickelt und wenige Eier produziert. Jagdhunde, die in Fuchsbauten eingesetzt wurden, sollen laut RKI danach gründlich abgeduscht werden.
Eine Leine verhindert auch das Mäusejagen. Wann in Wald und Feld Leinenpflicht gilt, steht in unserem Beitrag zur Leinenpflicht in der Brut- und Setzzeit; was zu tun ist, wenn der Hund unterwegs etwas Gefährliches frisst, zeigt unsere Giftköder-Notfallregel.
Entwurmung: wie oft bei Hunden, die Mäuse fressen (ESCCAP)
Die Logik: Ein Hund scheidet laut ESCCAP knapp 4 Wochen nach dem Fressen einer befallenen Maus Eier aus. Wird er alle 4 Wochen behandelt, kommt es gar nicht erst zur Eiausscheidung. Auch das FLI rät, gefährdete Hunde innerhalb dieser Frist zu behandeln, also alle vier Wochen.
| Situation des Hundes | Empfehlung (ESCCAP Deutschland, Stand Dezember 2025) |
|---|---|
| jagt oder frisst kleine Beutetiere wie Mäuse, frisst Aas, läuft regelmäßig unbeaufsichtigt frei | monatliche Entwurmung mit einem gegen den Fuchsbandwurm wirksamen Mittel |
| Risiko unklar, keine Kotuntersuchungen | mindestens 4-mal pro Jahr (allgemeine Empfehlung; ein- bis zweimal jährlich zeigte in Studien im Durchschnitt keine ausreichende Wirkung) |
| bekommt nicht vorbehandeltes rohes Fleisch | alle 4 Wochen gegen Bandwürmer; vorbehandelt heißt 10 Minuten bei 65 °C Kerntemperatur oder 1 Woche bei −17 bis −20 °C gefroren |
| Reise in ein Echinococcus-Endemiegebiet im Ausland | 4 Wochen nach Reisebeginn, dann alle 4 Wochen bis 4 Wochen nach der Rückkehr |
| Import aus einem Endemiegebiet | umgehend behandeln |
Laut FLI wirkt Praziquantel sehr gut gegen den erwachsenen Fuchsbandwurm, auch Epsiprantel ist möglich; Wirkstoff, Dosis und Intervall legt die Tierarztpraxis fest. Laut ESCCAP ergab eine Fragebogenerhebung, dass der überwiegende Teil der Hunde in Deutschland nach seinen Haltungsbedingungen monatlich entwurmt oder untersucht werden müsste.
Nach der Wurmkur: den Kot ernst nehmen
Praziquantel tötet laut FLI die Würmer, aber nicht die Eier. Eier, die nach der Behandlung abgehen, bleiben ansteckend. Das RKI empfiehlt, den Kot von Hunden, die Nager fressen, nach einer Bandwurmbehandlung vor allem in Hochendemiegebieten zu vergraben oder zu verbrennen. Bei nachgewiesenem Fuchsbandwurm sieht ESCCAP ein striktes Protokoll vor: Baden des Hundes in der Praxis mit Schutzkleidung, zwei Behandlungen im Abstand von 24 Stunden, stationäre Aufnahme bis 72 Stunden nach der zweiten Gabe, Kot über drei Tage dicht verpackt über den Hausmüll, Kontrolle per PCR nach 7 bis 14 Tagen.
Was Untersuchungen kosten, zeigt unser Ratgeber zu den Tierarztkosten 2026.
Fuchsbandwurm-Symptome beim Menschen
Die alveoläre Echinokokkose ist tückisch, weil sie lange stumm bleibt. Laut RKI geht man von 10 bis 15 Jahren aus, bevor ein Herd erkennbar wird. Das mittlere Erkrankungsalter liegt zwischen 50 und 60 Jahren; bei Kindern und Jugendlichen sind Erkrankungen sehr selten und wurden überwiegend bei Immunschwäche beobachtet.
| Phase | Was laut RKI typisch ist |
|---|---|
| Früh | keine typischen Frühsymptome; Diagnose oft zufällig bei Ultraschall oder wegen erhöhter Leberwerte |
| Später | Druckgefühl im Bauch, Schmerzen, Übelkeit oder Fieber; tastbar vergrößerte und verhärtete Leber |
| Fortgeschritten | Gallenstau und Gelbsucht, Pfortaderhochdruck, sekundäre Leberzirrhose; Absiedlungen in Lunge oder Gehirn möglich |
Laut RKI-Bulletin 41/2019 sind die Leberherde trotz geringer Beschwerden oft schon über 10 cm groß; in mehr als 98 % der Fälle ist zuerst die Leber befallen. Die wichtigste Verwechslung ist Leberkrebs.
Behandlung und Prognose: Die Behandlung gehört laut RKI in ein ausgewiesenes Zentrum. Viele Patienten sind bei der Diagnose nicht mehr vollständig operabel; dann werden Mebendazol oder Albendazol lebenslang gegeben, nach einer heilenden Operation mindestens zwei Jahre. Unbehandelt liegt die Sterblichkeit laut Bulletin bei 90 % innerhalb von 10 bis 15 Jahren nach der Diagnose. Mit Behandlung hat sich die Lage stark verbessert: Eine Schweizer Auswertung, die das FLI zitiert, fand für 54-jährige Patienten mit Diagnose 1970 eine um 18,2 (Männer) und 21,3 Jahre (Frauen) verkürzte Lebenserwartung, für Diagnosen 2005 nur noch um 3,5 und 2,6 Jahre.
Waldbeeren und Pilze waschen: Mythos und was das RKI wirklich sagt
Kaum ein Ratschlag ist so bekannt wie „Keine ungewaschenen Waldbeeren essen“. Die Daten zeichnen ein differenzierteres Bild:
| Behauptung | Was die Quellen sagen |
|---|---|
| „Waldbeeren sind der Hauptweg der Ansteckung.“ | Laut RKI-Ratgeber ist die Übertragung über Waldbeeren, Pilze oder Wasser „nicht geklärt“. Das RKI-Bulletin 2019: Der Verzehr von Waldbeeren konnte als Risikofaktor nicht bestätigt werden. |
| „Pilze sammeln ist gefährlich.“ | In der deutschen Fall-Kontroll-Studie (Kern 2004) waren ungewaschenes Gemüse, Salat, Kräuter, Beeren oder Pilze kein wichtiger Risikofaktor; Studien aus Alaska und Österreich fanden ebenfalls keinen Zusammenhang. |
| „Dann muss ich gar nichts beachten.“ | Falsch. Ungewaschene Erdbeeren (Odds Ratio 2,2) und Grashalme kauen (4,4) waren in derselben Studie häufiger bei Erkrankten. Das RKI empfiehlt, alle bodennah wachsenden Lebensmittel (Beeren, Pilze, Gemüse, Salat, Fallobst) gründlich zu waschen und in Gebieten mit erhöhtem Risiko möglichst zu kochen oder zu trocknen. |
| „Der Garten ist sicher, der Wald nicht.“ | Selbst angebautes Gemüse war mit einem höheren Risiko verbunden (Kern 2004: Blatt- und Wurzelgemüse, Odds Ratio 2,5). Das RKI rät, Füchsen den Zugang zu bodennahen Obst- und Gemüsekulturen per Zaun zu erschweren, und nach Gartenarbeit die Hände gründlich zu waschen. |
Das FLI fasst es so zusammen: Wer kein Restrisiko will, isst möglicherweise mit Fuchskot verschmutzte Beeren, Fallobst und Gemüse nur ausreichend erhitzt; wer ein leicht erhöhtes Risiko akzeptiert, wäscht sie gründlich.
Im Herbst kommen beim Waldspaziergang mit Hund weitere Plagegeister dazu, etwa Grasmilben an den Pfoten.
Wie lange überleben Fuchsbandwurm-Eier? Hitze, Kälte, Essig
Die Eier sind laut RKI sehr widerstandsfähig gegen Umwelteinflüsse und Desinfektionsmittel und bleiben unter günstigen Bedingungen mehrere Monate ansteckend. Austrocknung vertragen sie dagegen schlecht.
| Bedingung | Wirkung auf die Eier | Quelle |
|---|---|---|
| Umwelt, im Mittel 6 °C (−15 bis +27 °C) | bis zu 240 Tage ansteckend | FLI 2020 |
| kurzes Aufkochen | Eier sterben ab | RKI |
| 55 °C für 2 Stunden oder 65 °C für 1 Stunde (70 % Luftfeuchte) | Eier inaktiviert | FLI 2020 |
| Austrocknung, z. B. 0 % Luftfeuchte bei 20 °C für 24 Stunden | sehr empfindlich; Eier eines verwandten Bandwurms waren danach vollständig inaktiviert, für Fuchsbandwurm-Eier ist das laut FLI anzunehmen | RKI, FLI 2020 |
| Einfrieren im Haushaltsgefrierschrank | keine sichere Abtötung: laut RKI sind −80 °C über mehrere Tage erforderlich (laut FLI −70 °C für 96 Stunden oder −80 °C für 48 Stunden) | RKI, FLI 2020 |
| chemische Desinfektionsmittel | Wirksamkeit umstritten und unsicher | FLI 2020 |
Zu Essig enthalten die ausgewerteten Quellen keine Daten; verlassen Sie sich nicht darauf. Belegt sind Hitze und gründliches Waschen.
Bluttest, Meldepflicht und Fallzahlen seit 2018
Bluttest: Antikörpertests (ELISA, IHA, Western Blot) erreichen laut RKI mit Echinococcus-Rohantigen eine Sensitivität von etwa 95 %; ein negatives Ergebnis schließt die Erkrankung aber nicht aus. Wer Kontakt zu einem nachweislich infizierten Tier hatte, etwa dem eigenen Hund, sollte laut RKI nach 4 Wochen sowie nach 6, 12 und 24 Monaten serologisch untersucht werden, bei anhaltendem Risiko danach zweimal jährlich.
Meldepflicht: Beim Menschen wird der Nachweis von Echinococcus nach § 7 Abs. 3 Infektionsschutzgesetz nichtnamentlich direkt an das RKI gemeldet. Bei Tieren ist die Echinokokkose seit dem 1. November 2004 eine meldepflichtige Tierkrankheit.
| Jahr | Gemeldete alveoläre Echinokokkosen | Quelle |
|---|---|---|
| seit 2001 im Mittel | etwa 30 pro Jahr | FLI 2020 (SurvStat) |
| 2018 | 56 (bisheriges Maximum laut FLI 2020) | RKI Epid Bull 41/2019 |
| 2023 | 36, „etwas niedriger als in den letzten fünf Jahren“ | RKI-Jahrbuch 2023 |
| 2024 | 52, vergleichbar mit 2020 und 2022 | RKI-Jahrbuch 2024 |
2024 lag für 38 Fälle das Ansteckungsland vor, 34 davon (89 %) Deutschland; alle Erkrankten bis auf eine Person waren älter als 25. Das RKI geht von einer nicht bezifferbaren Untererfassung aus. Zahlen zu Todesfällen enthalten die ausgewerteten Quellen nicht.
Häufige Fragen zum Fuchsbandwurm
Gibt es eine offizielle Fuchsbandwurm-Verbreitungskarte für Deutschland?
Eine amtliche Karte mit Risikozonen haben wir weder beim Robert Koch-Institut noch beim Friedrich-Loeffler-Institut gefunden. Das RKI veröffentlicht Meldezahlen der Erkrankungen beim Menschen, das FLI wertet Tiermeldungen aus; unsere Tabelle nach Bundesland fasst beide zusammen.
Wo sind die Fuchsbandwurm-Risikogebiete 2026?
Laut RKI gilt Süddeutschland (Baden-Württemberg, Bayern) als hochendemisch, mit einer Häufung der Erkrankungen auf der Schwäbischen Alb, in den Alpen und im Alpenvorland. Um Leutkirch und Isny im Allgäu sowie Ehingen an der Donau hatten 2018 bis 2020 41 bis 51 Prozent der Füchse den Bandwurm. Bei Füchsen kommt er laut ESCCAP in ganz Deutschland vor.
Hat jeder Fuchs den Fuchsbandwurm?
Nein. In Deutschland reichten die gemessenen Befallsraten laut einer Studie in Emerging Infectious Diseases von unter 1 bis über 60 Prozent. Auf der Schwäbischen Alb und im Allgäu lagen sie zuletzt bei 40 bis 51 Prozent, in Teilen Brandenburgs in den 1990er-Jahren bei 4,9 Prozent.
Wie oft muss ich meinen Hund gegen den Fuchsbandwurm entwurmen?
ESCCAP Deutschland empfiehlt für Hunde, die kleine Beutetiere jagen und fressen können, eine monatliche Behandlung mit einem gegen den Fuchsbandwurm wirksamen Mittel, weil die Zeit bis zur Eiausscheidung knapp vier Wochen beträgt. Bei unklarem Risiko gilt mindestens viermal pro Jahr. Wirkstoff und Intervall legt die Tierarztpraxis fest.
Kann ich mich bei meinem Hund mit dem Fuchsbandwurm anstecken?
Ja, wenn der Hund selbst Bandwurmträger ist. Laut RKI nehmen Menschen die Eier über verschmutzte Hände auf, etwa nach Kontakt mit Fuchs, Hund oder Katze, an deren Fell Eier haften können. In einer deutschen Fall-Kontroll-Studie hatten Erkrankte deutlich häufiger Hunde, die Wild erbeuteten oder unbeaufsichtigt herumstreunten.
Welche Symptome macht der Fuchsbandwurm beim Menschen?
Typische Frühsymptome gibt es laut RKI nicht; oft wird die Erkrankung zufällig im Ultraschall entdeckt. Später können Druckgefühl und Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Fieber, Gelbsucht oder eine vergrößerte, verhärtete Leber auftreten. Zwischen Ansteckung und Erkennbarkeit vergehen vermutlich 10 bis 15 Jahre.
Ist der Fuchsbandwurm beim Menschen heilbar?
Unbehandelt verläuft die Erkrankung tödlich. Nach einer vollständigen Operation folgen laut RKI mindestens zwei Jahre Medikamente, sonst werden Mebendazol oder Albendazol lebenslang gegeben. Eine Schweizer Auswertung fand für 54-Jährige mit Diagnose 2005 nur noch 2,6 bis 3,5 Jahre geringere Lebenserwartung.
Muss ich Waldbeeren und Pilze wegen des Fuchsbandwurms waschen?
Laut RKI ist die Übertragung über Waldbeeren und Pilze nicht geklärt, und in Studien wurde der Verzehr von Waldbeeren als Risikofaktor nicht bestätigt. Das RKI empfiehlt trotzdem, bodennah wachsende Lebensmittel gründlich zu waschen und in Gebieten mit erhöhtem Risiko möglichst zu kochen oder zu trocknen.
Gibt es einen Bluttest oder eine Impfung gegen den Fuchsbandwurm?
Einen Bluttest gibt es: Antikörpertests erreichen laut RKI mit Rohantigen eine Sensitivität von etwa 95 Prozent, ein negatives Ergebnis schließt die Erkrankung aber nicht aus. Eine Impfung nennt keine der ausgewerteten Fachquellen; Schutz bieten Hygiene und die Entwurmung von Hunden.
Quellen, abgerufen am 30. Oktober 2026
- Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber Echinokokkose (Fallzahlen-Abschnitt aktualisiert Mai 2026) und Themenseite Echinokokkose (Stand 1. Juni 2026), rki.de.
- Robert Koch-Institut: Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2024 (Berlin 2026), Kapitel 6.16 Echinokokkose; Jahrbuch für 2023, Kapitel 6.15; edoc.rki.de.
- Kratzer W, Schmidberger J, Hillenbrand A, et al.: Alveoläre Echinokokkose. Epidemiologisches Bulletin 41/2019, RKI.
- Conraths FJ, Maksimov P (FLI, Nationales Referenzlabor für Echinokokkose): Epidemiology of Echinococcus multilocularis infections, Berl Münch Tierärztl Wochenschr 2020, DOI 10.2376/0005-9366-2020-5.
- Schneider C, Kratzer W, Binzberger A, et al.: Echinococcus multilocularis and other zoonotic helminths in red foxes from a southern German hotspot. Parasites & Vectors 2023 (PMC10657614).
- König A, Romig T, Holzhofer E: Effective long-term control of Echinococcus multilocularis in southern Germany. PLoS ONE 2019 (PMC6461256).
- Landtag von Baden-Württemberg: Drucksache 15/1852 „Fuchsbandwurm im Bereich des Biosphärengebiets Schwäbische Alb“, Antwort des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz vom 5. Juli 2012.
- Kern P, Ammon A, Kron M, et al.: Risk Factors for Alveolar Echinococcosis in Humans. Emerging Infectious Diseases 2004; 10(12), CDC.
- ESCCAP Deutschland: Empfehlung Nr. 1 „Bekämpfung von Würmern (Helminthen) bei Hunden und Katzen“ (Stand Dezember 2025) und „Ihr Haustier richtig entwurmen!“ (Stand März 2026), esccap.de.



